Radiorestaurieren



Damit ein Röhrenradio nach 50 Jahren oder mehr einwandfrei und vor allem möglichst sicher funktionieren kann, bedarf es einer Grundüberholung.


 

Ein unrestauriertes Radiogerät zu betreiben birgt Gefahren für den Betreiber, seine Mitbewohner und für das Gerät selbst!


Im Allgemeinen sieht das Innenleben von Röhrenradios so aus wie auf nebenstehendem Bild: Sämtliche Bauteile sind von einer dicken Staubschicht überzogen, sehr oft in Kombination mit einer Fett- oder Nikotinschicht, je nach Standort des Geräts.

Zunächst erfolgt also eine gründliche Reinigung des Innenlebens. Geeignete Hilfsmittel hierfür sind ein weicher Pinsel, ein Tuch, Fensterreiniger, Spiritus oder Reinigungsalkohol. Beim Ausbürsten ist insbesondere in der Nähe von Spulen oder des Tastenaggregats größte Vorsicht geboten, damit dünne Drähte nicht versehentlich abgerissen werden.

Ist das Chassis vollständig von Staub und Schmutz befreit, kann sich ein Überblick über die 2. Phase der Restaurierung verschafft werden. Bei der elektronischen Restaurierung müssen elektronische Bauteile getauscht werden, die nach über 50 Jahren am Ende ihres Lebens angekommen sind: Kondensatoren und Elektrolytkondensatoren, kurz Elkos.

Der Austausch von sogenannten "Problemkondensatoren" ist sehr wichtig! Sie haben sehr oft erheblich Abweichungen von ihrem Sollwert. Desweiteren können Kriechströme entstehen, die die Kondensatoren aufheizen, schmelzen, abfackeln oder explodieren lassen!

Der Betrieb eines Gerätes, bei dem "Problemkondensatoren" nicht getauscht wurden, birgt erhebliche Gefahren!

Welche Kondensatoren nun in das Gerät eingebaut werden, ist Geschmackssache. Bei sehr alten Geräten, die auch von der Chassisunterseite optisch original aussehen sollen,  empfielt sich eine aufwändige Prozedur, bei der die alten Kondensatoren ausgehöhlt und neue axiale Kondensatoren in die alte Hülle eingebaut werden. Bei neueren Geräten, die hauptsächlich wieder zuverlässig im Alltag sein sollen, verwende ich meist radiale Kondensatoren namhafter Hersteller aus laufender Produktion.

Nach ausgiebiger Überprüfung der getanen Arbeit kann der erste Test erfolgen. Hierbei empfielt sich immer das vorsichtige Hochfahren des Geräts (zB. mit Vorschalten einer Glühlampe, siehe "Tipps und Tricks"). Optische, akustische sowie sensorische Kontrolle (raucht nichts, brummt nichts, knallt nichts, riecht nichts?) sollte selbstverständlich sein.

Es folgen eine Reihe von Messungen und Überprüfungen. Ggf erfolgt eine Fehlersuche und Reparatur. Läuft das Gerät zufriedenstellend, kann es wieder eingebaut werden, sofern das Gehäuse nicht auch noch intensive Pflege benötigt.  Abschließend findet ein mehrstündiger Funktionstest statt, bei dem regelmäßig diverse Spannungen und die Temperatur bestimmter Bauteile überprüft werden. Ist dies alles positiv, so ist die Reparatur beendet.